Metal Church - Zwischen Flammen und Neuanfang
Man hält die CD in den Händen, sieht die Truhe im Flammenmeer. Ein Skelett lehnt daran, noch ein paar Fetzen Kleidung hängen an ihm – hinter ihm ragt ein Gitarrenhals aus den Flammen.
„Hey, was Neues von Metal Church“, denkt man sich, legt die CD in den Player und spitzt die Ohren. Und dann: Das geht sofort ins Ohr. Das klingt nach Metal Church. Nach neuer Musik, die sich gleichzeitig seltsam vertraut anfühlt.

Bildquelle: https://time-for-metal.eu/
Brainwash Game
F.A.F.O
Dead To Rights
Deep Cover Shakedown
Feet To the Fire
The Show
Heaven Knows (Slip Away)
No Memory
Wasted Time
My Wrath
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Hier könnt ihr schon mal Brainwash Game Hören und Sehen.
Mehr als nur ein neues Album
Ganz so selbstverständlich ist das nicht. Als Sänger Mike Howe 2021 verstarb, verlor die Band mehr als nur eine Stimme. Howe war über Jahre ein prägender Teil ihres Sounds – kontrolliert, kraftvoll, unverwechselbar. Was danach folgte, wirkte wie eine Übergangsphase. Mit Marc Lopes gab es einen kurzen Zwischenstopp, der zeigte, dass es weitergehen kann – aber noch nicht, wohin.
Eine Stimme, die passt
Mit Dead to Rights und dem Einstieg von Brian Allen bekommt diese Phase erstmals wieder Richtung. Allen ist kein unbeschriebenes Blatt. Als Sänger von Vicious Rumors und Trauma bringt er genau das mit, was Metal Church jetzt brauchen: Erfahrung im klassischen US-Metal – und ein Gespür dafür, wie diese Songs funktionieren müssen.
Seine Stimme drückt, ohne hektisch zu werden, und passt bemerkenswert gut zur Band.
Er ersetzt niemanden – aber er sorgt dafür, dass Metal Church wieder wie Metal Church klingen.
Vom ersten bis zum letzten Ton
Was mit „Brainwash Game“ flott und kraftvoll beginnt, geht genau so weiter, wie man es sich wünscht. „Dead to Rights“, „Feed the Fire“ – und selbst wenn ein Titel „Wasted Time“ heißt, ist es genau das nicht.
Zehn druckvolle, schnelle Songs, getragen von einem Gesang, der schiebt, ohne zu überdrehen. Beim elften Titel „Blood and Water“ denkt man kurz: Okay, jetzt eine Ballade? Kann man machen. Mal sehen, ob sie auch langsam können. Und dann ziehen sie nochmal an.
Kein Füller, kein Bonus-Track-Gefühl – der Song fügt sich nahtlos ein und führt das Album konsequent zu Ende. Die Band nutzt die Spielzeit vom ersten bis zum letzten Ton. Kein „Wir brauchen noch was für die CD“. Im Gegenteil: Man hat eher das Gefühl, dass da noch mehr gegangen wäre.
Zwischen Vergangenheit und Zukunft
Natürlich hört man die Vergangenheit. Fans der klassischen Phase werden sich hier schnell zurechtfinden. Aber entscheidend ist etwas anderes: Dieses Album wirkt nicht wie ein Rückblick – sondern wie ein Punkt, an dem die Band wieder Tritt fasst.
Fazit: Dead to Rights ist kein Album, das alles neu erfindet. Aber es ist eines, das zeigt, dass eine Band nach Rückschlägen wieder zusammenfinden kann – wenn sie weiß, wofür sie steht. Und genau deshalb wirkt Dead to Rights nicht wie ein Pflichtalbum – sondern wie eine Band, die wieder etwas zu sagen hat.