Zwischen Jazz, Doom und Ekstase

(Bildquelle: Facebookseite Messa)
Es gibt Bands, die in eine Szene passen – und solche, die sie leise verschieben. Messa gehören eindeutig zur zweiten Kategorie.
Was auf den ersten Blick wie klassischer Doom Metal wirkt, entpuppt sich schnell als deutlich mehr: ein Sound, der sich jeder klaren Schublade entzieht – und gerade deshalb so gut funktioniert.
Mehr als nur Doom
Gegründet 2014 in Norditalien, haben sich Messa nie mit klaren Genregrenzen zufriedengegeben. Stattdessen entsteht hier ein eigenwilliger Mix aus Doom, Jazz, Blues und dunklem Rock, den die Band selbst einmal als „Scarlet Doom“ beschrieben hat.
Das klingt erstmal nach einem dieser typischen Genrebegriffe – wird der Musik aber erstaunlich gerecht. Denn Messa klingen nicht wie eine klassische Doom-Band. Sie wirken offener, beweglicher, fast schon suchend.
Zwischen Fragilität und Wucht
Ein Hördurchgang durch ihr aktuelles Album The Spin zeigt, warum das so ist.
Die Songs folgen selten dem erwartbaren Muster. Statt durchgehend schwer und drückend zu bleiben, arbeitet die Band mit Kontrasten: ruhige, fast jazzige Passagen, plötzliche Ausbrüche, Momente, die eher getragen als gespielt wirken.
Gerade diese Dynamik sorgt dafür, dass die Musik nicht einfach vorbeirauscht. Sie verlangt Aufmerksamkeit – und belohnt sie.
Eine Stimme, die trägt
Ein zentraler Faktor ist dabei die Stimme von Sara Bianchin.
Sie klingt nicht wie das, was man im Metal erwarten würde. Keine reine Kraftdemonstration, kein klassisches Pathos – sondern etwas Eigenes: warm, distanziert, fast entrückt.
Statt sich in den Vordergrund zu drängen, trägt sie die Songs durch ihre verschiedenen Phasen – und hält sie zusammen, selbst wenn sie musikalisch in ganz unterschiedliche Richtungen gehen. Diese Momente, die hängen bleiben.
Was Messa besonders macht, sind die kleinen Brüche.
Plötzlich tauchen Klänge auf, die man eher im Jazz oder in experimenteller Musik vermuten würde. Rhythmen verschieben sich, Strukturen lösen sich auf – nur um sich wenig später wieder zu fangen.
Das sind die Momente, in denen man kurz innehält und denkt: „Was war das gerade?“ Und genau diese Momente bleiben hängen. Und dann: Bühne statt Kopfhörer.
So sehr die Musik von Messa von Details lebt – ihre eigentliche Wirkung entfaltet sie live. Die Dynamik, die Wechsel zwischen Ruhe und Wucht, die fast schon hypnotische Atmosphäre: Das sind Dinge, die auf der Bühne nochmal eine andere Intensität bekommen.
Umso besser, dass die Band im November auch hierzulande unterwegs ist:
12.11.2026 – Berlin, Frannz Club
13.11.2026 – Hamburg, Logo
14.11.2026 – Bochum, Rockpalast
15.11.2026 – Köln, Artheater
17.11.2026 – Frankfurt, Das Bett
18.11.2026 – München, Backstage Club
19.11.2026 – Zürich, Dynamo
Wer verstehen will, wie sich dieser Sound wirklich anfühlt, sollte sich einen dieser Termine vormerken.
Keine Nostalgie, sondern Entwicklung
Während viele Bands im Doom-Umfeld stark auf Retro-Ästhetik setzen, gehen Messa einen anderen Weg. Natürlich sind Einflüsse hörbar – gerade aus dem klassischen Doom oder 70er-Jahre-Rock. Aber sie werden nicht kopiert, sondern weitergedacht. Das Ergebnis ist ein Sound, der vertraut wirkt, ohne berechenbar zu sein.
In einer Szene, die sich oft zwischen Tradition und Stillstand bewegt, sind Bands wie Messa entscheidend. Sie zeigen, dass Entwicklung möglich ist, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren. Dass Härte und Atmosphäre kein Widerspruch sind. Und dass Doom mehr sein kann als nur langsam und schwer.
Oder anders gesagt: Messa machen keine Kompromisse. Und genau deshalb funktionieren sie.