Slime laden zum Groben Fest
Es gibt Bands, die altern in Würde. Und dann gibt es Slime – die weigern sich einfach, leiser zu werden. Stattdessen drehen sie im Dezember 2026 nochmal auf und laden zur „Grobes Fest“-Tour. Fünf Shows, strategisch zwischen Weihnachtskater und Silvesterflucht platziert. Wer noch Restfamilie übrig hat: schlechte Planung.
Doch diesmal ist etwas anders. Und das liegt vor allem an einem Mann: Tex Brasket.
Brasket ist kein klassischer „Ersatzsänger“
Eher ein Gegenentwurf. Bevor er bei Slime einstieg, war er als Straßenmusiker unterwegs, hat sich mit eigenen Songs durchgeschlagen – roh, persönlich, oft mehr Folk als Punk. Seine Musik hatte schon damals etwas, das im klassischen Deutschpunk eher selten ist: Verletzlichkeit.
Und genau das bringt er jetzt in eine Band, die jahrzehntelang vor allem eines war: laut.
Mit ihm hat sich der Sound spürbar verschoben. Weniger stumpfes „alles niederbrüllen“, mehr Dynamik. Mehr Raum für Zwischentöne, ohne die Wucht zu verlieren. Plötzlich stehen Geschichten im Raum, die das Leben schreibt. Nicht nur Wut, sondern auch Zweifel.
Oder anders gesagt: Slime klingen heute nicht zahmer – sondern vollständiger.
Grobes Fest: mehr als nur Abriss
Die „Grobes Fest“-Tour wirkt wie ein bewusst gesetzter Gegenentwurf zum üblichen Punk-Nostalgiezirkus. Keine endlosen Dates, kein Durchmelken alter Hits – stattdessen wenige, gezielte Shows mit einem Line-up, das mehr kann als nur „früher war alles kaputter“.
Mit dabei:
Knochenfabrik
Die ewigen Kult-Außenseiter. Ironisch, schlau, und musikalisch tighter als ihr Ruf. Wer denkt, das sei nur Bierlaune-Punk, hat nie richtig hingehört.
Rantanplan
Ja, Ska im Punk-Kontext kann schiefgehen. Rantanplan zeigen seit Jahren, dass es auch anders geht: politisch, verspielt, mit genug Melodie, um nicht im Dauergrant zu versacken.
Focus.
Die jüngere Stimme im Line-up – direkter, moderner, ohne den Ballast der Legendenrolle. Und genau deshalb wichtig: weil Punk nicht nur Archiv ist, sondern Gegenwart.
Zwischen Ritual und Relevanz
Was früher vielleicht einfach ein Abriss gewesen wäre, fühlt sich heute eher wie ein bewusstes Statement an. Slime spielen nicht mehr nur gegen etwas – sie erzählen auch, warum.
Und genau hier liegt der Unterschied zur eigenen Vergangenheit: Die Band ist nicht mehr nur Ventil, sondern auch Spiegel. Das macht die Shows weniger berechenbar – und gleichzeitig interessanter.
Fazit: Punk, der gewachsen ist
Die „Grobes Fest“-Tour ist kein Pflichttermin aus Nostalgie. Eher ein Angebot: sich nochmal darauf einzulassen, dass Punk mehr sein kann als drei Akkorde und ein kaputtes Mikro.
Mit Tex Brasket haben Slime jemanden gefunden, der nicht versucht, die Vergangenheit zu kopieren, sondern ihr eine neue Ebene gibt. Eine, die manchmal leiser beginnt – und genau deshalb härter trifft.
Oder, um es weniger romantisch zu sagen:
Es scheppert immer noch. Aber jetzt hat es Tiefe.
